Von Kirche zu Kirche – und Schritt für Schritt zu mehr Gelassenheit

Gottes Kraft geht alle Wege mit

Beim „Pilgern zwischen den Kirchen“ der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt WN/Neustadt WN mit den Exposituren Störnstein und Wilchenreuth verbanden sich am vergangenen Sonntag Bewegung, Gebet und Begegnung. Unter dem Leitwort „Wege der Gelassenheit“ führte der Weg durch acht Kirchen und Kapellen – und zugleich durch Gedanken von Papst Johannes XXIII.

Was ist heute wirklich wichtig
Gott, segne diese Menschen, die sich auf den Weg machen

Auch die geistliche Begleitung wechselte entlang der Wegstrecke: Stadtpfarrer Thomas Peter Kopp begleitete die Pilgergruppe bis Störnstein. Von dort übernahm Gemeindereferentin Claudia Stöckl die nächsten Abschnitte bis Wilchenreuth, ehe der Pfarrvikar Dr. Kamwanya Kishimbe die Gruppe auf der letzten Etappe von Wilchenreuth nach St. Felix in Neustadt führte. Lektorinnen, Lektoren und Kirchenmusiker aller Pfarreien und Exposituren trugen mit ihrem engagierten Einsatz zum Gelingen des Pilgertages bei.

Für welches Netz aus Gemeinde bin ich dankbar

Wegen der Sanierungsarbeiten konnte die Pfarrkirche Heilige Familie noch nicht genutzt werden. So fanden sowohl der Auftakt als auch die erste inhaltliche Station in der Alten Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Altenstadt statt. Orgelklänge und das Pilgerlied „Licht des Lebens“ eröffneten die Feier; anschließend führten Gedanken zu Johannes XXIII. in seine „Zehn Gebote der Gelassenheit“ ein. Im Mittelpunkt stand das erste Gebot, den heutigen Tag zu leben, ohne sämtliche Probleme auf einmal lösen zu wollen. Die Erzählung von Jakobs nächtlichem Ringen am Jabbok zeigte dazu: Gelassenheit ist keine Konfliktvermeidung, sondern wächst im Vertrauen auf Gott, im Eingeständnis eigener Grenzen und im Mut, trotz offener Fragen den nächsten Schritt zu gehen. Fürbitten, Vaterunser und Pilgersegen machten den äußeren Pilgerweg zugleich als inneren Weg der Hoffnung und Gemeinschaft erfahrbar.

Vorbei an den Gräbern unserer Lieben

Die Kapelle des Seniorenheims St. Martin rückte das zweite Gebot in den Vordergrund: weniger vorschnell urteilen, weniger andere verbessern wollen und stattdessen bei sich selbst beginnen. Die Begegnung des Mose mit dem brennenden Dornbusch wurde zum Bild für verletzte, vertrocknete oder enttäuschte Seiten des Lebens. Gottes Gegenwart beseitigt diese Dornen nicht einfach; sie lässt jedoch darin ein Feuer der Hoffnung aufscheinen, das nicht zerstört. Zurückhaltung erscheint so nicht als Schwäche, sondern als geistliche Wachsamkeit – als Fähigkeit, zuzuhören, barmherzig zu urteilen und auch Kritik ohne Rechthaberei zu äußern.

Johannes XXIII Alles sehen, vieles übersehen, wenig zurechtweisen

Eine besondere Geste erwartete die Pilger zum Abschied: die Kinder des Kindergarten St. Martin hatten liebevoll gestaltete Erinnerungsstücke aus Muscheln vorbereitet. Als Symbole des Pilgerns gaben sie den Teilnehmenden so eine sichtbare Erinnerung an den gemeinsamen Weg mit.

Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht
Die auf den Herrn sehen, werden strahlen vor Freude
Die Kindergartenkinder fertigten wunderschöne Erinnerungsstücke für die Pilger
Im Störnsteiner Pfarrheim wurden die Pilger bestens verpflegt
Pilgern macht hungrig

In Störnstein wurden die Pilger herzlich empfangen und mit einer liebevoll vorbereiteten, überaus reichhaltigen Verpflegung gestärkt. Anschließend ging es in St. Salvator um das Glück, für das der Mensch geschaffen ist – nicht erst in einer fernen anderen, sondern bereits in dieser Welt. Die Geschichte des erschöpften Propheten Elija, der am Horeb neue Kraft findet und Gott nicht in Sturm, Erdbeben oder Feuer, sondern in einem stillen, sanften Sausen erkennt, lenkte den Blick auf die leisen Quellen des Lebens. Hoffnung übersieht Leid, Krieg und Krankheit nicht; sie vertraut darauf, dass Gottes Güte schon heute trägt. Die Station lud dazu ein, Glück nicht allein von Wohlstand, Gesundheit oder Sicherheit abhängig zu machen, sondern die Stille als Raum neuer Orientierung zu entdecken.

Der Herr gibt dem, der auf ihn vertraut für jedes Wetter die passende Kleidung
Für jedes Wetter die passende Kleidung
Rast in Diepoltsreuth
Auf ökumenischen Wegen in Wilchenreuth

Die evangelische St.-Ulrich-Kirche in Wilchenreuth, eine der ältesten Kirchen der Region und über lange Zeit gemeinsamer Gottesdienstraum beider Konfessionen, bot für das vierte Gebot einen besonders passenden Ort. Es fordert dazu auf, die Umstände anzunehmen, ohne zum Mitläufer zu werden oder die Welt ausschließlich den eigenen Wünschen unterwerfen zu wollen. An Elijas neuer Sendung nach seiner Gottesbegegnung wurde sichtbar: Stille ist kein dauerhafter Rückzug. Sie stärkt dazu, ins Leben zurückzukehren, Menschen aufzurichten und im Alltag kleine Samenkörner des Friedens zu säen.

Dem Herrn will ich singen, machtvoll hat er sich kundgetan

In der katholischen St.-Ulrich-Kirche in Wilchenreuth richtete sich der Blick auf das neunte Gebot der Gelassenheit: fest auf Gottes gütige Vorsehung zu vertrauen. Das Gleichnis vom reichen Mann und seinen immer größeren Scheunen warnte vor der Illusion, Sicherheit durch Besitz, Leistung oder Frömmigkeit anhäufen zu können. Leben ist keine Scheune, die gefüllt werden muss, sondern Gnade und Geschenk. Der wiederkehrende Ruf „Gottes Kraft geht alle Wege mit“ verband diese Einsicht mit der Erfahrung, auch in Krisen, Trauer und Unsicherheit nicht verlassen zu sein.

Alle Wege geht Gott mit (Alfred Delp)

Die St.-Felix-Kirche in Neustadt setzte mit dem zehnten Gebot einen weiteren Abschnitt des Pilgerwegs: keine Angst zu haben und an die Güte zu glauben. Die Angst wird dabei nicht kleingeredet; sie kann warnen und schützen, aber auch lähmen und das Leben eng machen. Im Gleichnis von den anvertrauten Talenten scheitert der dritte Diener nicht daran, dass er Furcht empfindet, sondern daran, dass er in ihr verharrt und seine Gabe vergräbt. Dem steht das Vertrauen entgegen: Gott traut dem Menschen etwas zu und ermutigt ihn, seine Fähigkeiten einzusetzen, Liebe zu wagen und Schritt für Schritt über enge Grenzen hinauszugehen.

Heute nur heute werde ich an die Güte glauben

Den Abschluss des Pilgertages bildete eine gemeinsame Messe in der Stadtpfarrkirche St. Georg, die Stadtpfarrer Thomas Peter Kopp zelebrierte. Im Mittelpunkt stand das Tagesevangelium nach Matthäus (Mt 20,1–16): Ein Gutsbesitzer wirbt zu verschiedenen Tageszeiten Arbeiter für seinen Weinberg an und zahlt am Abend allen denselben Lohn. Als die zuerst Gerufenen darüber murren, erinnert er sie daran, dass er sein Versprechen gehalten hat und seine Güte gegenüber den später Hinzugekommenen kein Unrecht ist. In der Predigt wurde deutlich, dass Gottes Güte menschliche Maßstäbe von Leistung und Verdienst übersteigt und jedem Menschen seine volle Zuwendung schenkt.

Segen über dein Leben

Zugleich griff der Stadtpfarrer einen Satz auf, der das Leitwort des Tages bündelte: „Herr, schenke mir die Gelassenheit, die Dinge auszuhalten, die ich nicht ändern kann, den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, beides voneinander zu unterscheiden.“ So endete ein Weg, auf dem Glockengeläut, Orgelmusik, Lieder, biblische Texte, stille Momente und Begegnungen die Kirchen der Pfarreiengemeinschaft miteinander verbanden – und Gelassenheit als Haltung erfahrbar wurde, die annimmt, was sich nicht ändern lässt, und beherzt handelt, wo Veränderung möglich ist.

Anschließend klang der Tag bei einem gemütlichen Beisammensein in der Stadthalle aus. In geselliger Runde bot sich Gelegenheit, die Erlebnisse des Pilgerwegs noch einmal miteinander zu teilen und die vielen Eindrücke nachwirken zu lassen. Die Verantwortlichen bedanken sich herzlich bei allen, die mit ihrem Engagement zum Gelingen dieses besonderen Pilgertages beigetragen haben.

Pilgersegen
Segen über dein Leben.
Gesegnet deine Gegenwart und deine Zukunft.
Dein Tun und dein Lassen.
Deine Abschiede und Aufbrüche.
Segen über dein Leben.
Gesegnet deine Herkunft und deine Geschichte.
Die Orte und Wohnungen,
Landschaften deines Lebens.
Die Menschen, die vor dir waren
und die Menschen, die mit dir sind.
Segen über dein Leben.
Gesegnet deine Erinnerungen,
die schmerzhaften und die schönen,
die dunklen Nächte der Seele
und die Augenblicke des Glücks.
Deine Wandlungen und deine Versöhnung.
Segen über dein Leben.
Ganz soll es sein.
Heil soll es werden

Der Herbst in seinen schönsten Farben